Iguaçu

Die Holzpanelen unter meinen Füßen vibrieren. Sie vibrieren nicht nur, sie beben richtig. Ohrenbetäubendes Donnern und Rauschen übertönt alles. Ich stütze meine Arme auf dem Holzgeländer ab und blicke hinüber. Mir gegenüber, zu meiner Rechten und unter mir stürzt Wasser in die Tiefe. Angeblich 80 Meter. Sekunde für Sekunde, Minute um Minute, Stundenlang… und nie fällt mal der letzte Tropfen! Egal ob Tag oder Nacht, hier fällt ständig diese Unmenge von Wasser. Sehen kann ich von den 80 Metern Tiefe aber höchstens zehn, denn mir entgegen schwebt eine nebelähnlich Wolke aus Spritzwasser, welches mich wohl binnen Minuten durchnässt hätte, wäre ich nicht ohnehin schon tropfnass gewesen.

Das Hauptwasserfallsystem wird als Garganta do Diabo (Teufelsrachen) bezeichnet

Es regnet. Dabei ist „Regen“ aber gar nicht der richtige Ausdruck, für die Wolkenbrüche, die ihr Wasser nun schon seit Stunden bindfädenartig über dem Nationalpark „Foz do Iguaçu“ entleeren. Meine wasserdichte Regenjacke ist so durchnässt, dass mir das Wasser den Rücken hinunterläuft. „Wasserdicht“, ja für Regen in Deutschland vielleicht, nicht aber zur Regenzeit während eines subtropischen Regenguss‘ der Extraklasse. Das Wasser tropft an meiner Sonnencappi hinunter, die heute mal nur als Regenschutz dient und schwappt bei jedem Schritt in kleinen Pfützen in meinen Schuhen hin und her. So viel Wasser. Von oben, von unten, von vorne… Überall WASSER!

Als der Regen gegen späten Nachmittag etwas weniger wird und die Sonne vereinzelt durch die dicke Wolkendecke dringt liegt vor mir eine Landschaft, die mit Worten nicht beschreibbar ist. Ich könnte wohl tausend Worte nutzen und würde doch daran scheitern, die Richtigen zu finden. Auch eine interessante Art Sprachlosigkeit… Deshalb versuche ich auch gar nicht erst, hier mit Worten rumzubasteln, sondern möchte nur noch einmal sagen, dass mir hier einmal mehr die wahnsinnige Schönheit unseres Planeten bewusst wird. Was für ein Privileg es doch ist, hier auf der Erde Mensch sein zu dürfen…

Was ich als Europäerin nicht in hundert Worte fassen kann, sagen die Guarani Indianer in einem Einzigen: Iguaçu (die großen Wasser). Diese bilden über drei Kilometer die Grenze zwischen Argentinien und Brasilien. Im Brasilianischen, wird diese massenhafte Ansammlung von über 270 Wasserfällen „Cataratas“ genannt. Ein Wort, für das es tatsächlich keine deutsche Übersetzung gibt. Wasserfall trifft es wohl noch am ehesten, allerdings bezeichnet das Portugiesische einen einzelnen Wasserfall eigentlich als „Cachoeira“ und mehrere dementsprechend als „Cachoeiras“…

Neben den Cataratas und der unendlich schönen Landschaft des Regenwaldes, verliebe ich mich aber auch in die vielen, kleinen und unfassbar putzigen „Quatis“ (südamerikanische Nasenbären) mit ihren antennenartigen Schwänzchen, die hier ihren natürlichen Lebensraum gefunden haben und neugierig um die Touristen herumschleichen oder gleich als Gruppe den Weg überqueren.

Até logo (bis ganz bald),

eure Anna

Pippi Langstrumpf

„Anna vem! Olha, você sabe fazer e pode ensinar?“ („Anna komm mal! Schau mal, weißt Du wie es geht und kannst es ihnen beibringen?“) werde ich von einem der Tios (Betreuer) in der Musikschule gefragt, während zwei der Kids neben ihm mit Pois (eine Art Jonglagerequisit) in der Luft herumfuchteln. „Não, eu não posso“ („Nein, ich kann das nicht“) schüttel ich entschuldigend den Kopf, woraufhin ich von einem weiteren Tio korrigiert werde: „Você precisa falar: Eu não sei.“ („Du musst sagen: Ich weiß nicht, wie es geht.“ (wortwörtlich „Ich weiß es nicht.“)). Hä? Wie jetzt? „Aber ich weiß doch, dass ich es NICHT kann“ erwiedere ich verwirrt. Beide Tios lachen, bevor der Zweite schließlich erklärt: „Schau mal, zum Beispiel die Menschen, die keine Hände haben, die dürfen sagen: „Ich kann das nicht“, weil sie dazu physisch nicht in der Lage sind. Aber Du… Du hast gleich zwei Hände und ein funktionierendes Gehirn. Natürlich kannst Du das, Du weißt nur nicht wie es geht.“

Ein paar Tage später sitze ich abends mit zweien meiner brasilianischen Mitbewohner auf dem Balkon. Wir singen und spielen Gitarre als einer der beiden plötzlich aufsteht: „Ich gehe mal Kaffee kochen. Möchtet ihr auch Einen?“ „Ich kann um diese Uhrzeit keinen Kaffee mehr trinken“ lehne ich dankend ab und werde gleich darauf korrigiert: „Das musst sagen: Ich schaffe es nicht mehr um diese Uhrzeit Kaffee zu trinken“. „Wieso? Ist das nicht das selbe?“, mein vom Arbeitstag sehr müdes Gehirn kommt da irgendwie nicht mit. „Naja was hindert Dich denn am Kaffee trinken? Wir haben Wasser, Kaffeepulver, der Strom geht auch wieder und Du könntest mit Deinen Händen eine Tasse festhalten. Natürlich kannst Du Kaffee trinken! Egal zu welcher Uhrzeit.“

Mein Gehirn schien inzwischen die richtige Schublade gefunden zu haben. Moment mal, dass mit dem Können, das kenne ich doch schon aus der Musikschule…

„Nossa aber dann können wir ja fast alles. Ich kann Autofahren ohne Führerschein, ich kann Geige spielen ich kann einen doppelten Salto, ich kann…“ „Ja natürlich, was dachtest du denn?“, die Beiden lachen ein bisschen irritiert.

Wie Sprache das Denken beeinflusst oder auch das Denken die Sprache, darüber durfte ich in der Vorabizeit unzählige, teilweise wirklich haarsträubende Sachtextanalysen schreiben. Was das aber wirklich bedeutet, was Sprache ausmachen oder sogar verändern kann, dass ist mir erst jetzt so richtig klar geworden.

Die Brasilianer denken sie können alles, weil es in ihrer Sprache so angelegt ist. „Kann ich nicht“ – gibt es nicht! Ist das nicht wunderschön?

Der Satz: „Ich kann das nicht“ oder noch viel schlimmer „Du kannst das nicht“, ist eigentlich eine furchtbare Einschränkung, das Setzen eines Limits, was es gar nicht gibt.

Und deshalb habe ich mir fest vorgenommen, auch aus meinem deutschen Wortschatz den Satz „Ich kann das nicht“ endgültig zu streichen. Und euch möchte ich gerne einladen, genau dies ebenfalls zu versuchen. Welche alternativen Formulierungsmöglichkeiten findet ihr?

Até logo (bis ganz bald),

eure Anna

Visionen

…und ich wünsch‘ Dir,

dass Du nichts versäumst und nichts bereust

und Dich immer auf morgen freust,

ich wünsch‘ Dir,

einen guten Freund der wenn’s nicht läuft

an Deiner Seite bleibt

Ich wünsch‘ Dir all das Glück dieser Welt

und dass sie sich für Dich noch ganz lange dreht…

Sarah Connor – Ich wünsch‘ Dir (Herzkraftwerke)

Lieber Diego,

ich frage mich in letzter Zeit so oft, wo Du wohl gerade bist und was Du wohl jetzt, JETZT gerade machst?

Ich hoffe, dass es Dir gut geht, egal wo Du jetzt sein magst und dass Du in dem was Du machst, oder Dir vornimmst erfolgreich bist.

Weißt Du eigentlich, dass Du mir diese Welt noch einmal aus einem ganz neuen Blickwinkel gezeigt hast? Wahrscheinlich nicht. Du hast in mir viele Fragen ausgelöst und mich an Gedankenkarussells festhalten lassen, die mich bis heute noch nicht wieder ganz losgelassen haben.

Zum Beispiel, hast Du mir nocheinmal vor Augen geführt, wie gut es mir eigentlich geht. Wie gut es so vielen Menschen auf der Welt geht, und wie verdammt unfair es ist, dass es nicht allen so gehen kann. Aber warum eigentlich nicht?

…Würden Kinder diese Welt regieren

Müsste Keiner hungern oder frieren

Schon meine Kleinen haben ’ne größere Vision

Würden wir mit unseren Herzen sehen

Uns nicht nur um uns selber drehen

Dann säße nicht

Der Falsche auf’m Thron…

Sarah Connor – Ruiniert (Herzkraftwerke)

Ich würde Dir so sehr ein anderes Leben wünschen. Eines in dem Du nicht das Opfer (unserer Weltpolitik) bist. Mir wurde gesagt, es müsste grundsätzlich ein anderes Bewusstsein für diese Ungerechtigkeiten herrschen, und dann müsste sich grundsätzlich etwas an der Lebensweise Aller ändern, damit Menschen wie Dir geholfen wäre. Ich alleine kann also gar nichts ausrichten. Oder doch?

Ich glaube, dass Du in mir eben jenes nötige Bewusstsein hervorgerufen hast und mich damit zu einem winzig kleinen Teil aller derjenigen werden ließt, die dieses Bewusstsein bereits haben und es vielleicht sogar weiter in die Welt hinaustragen können.

Und irgendwann einmal, dann werden wir es hoffentlich alle verstanden haben. Und dann werden wir hoffentlich unsere Herzen wieder mehr benutzen, aufeinander zugehen und im Vordergrund wird nicht mehr ausschließlich der Profit, sondern die Liebe zum Mitmenschen stehen. Und erst dann wird es für Dich und viele Andere auf dieser Welt einfacher werden.

Und bis dahin, wünsche ich Dir alles erdenklich Gute!

Anna

(Diesen Beitrag habe ich schon im Januar auf meiner Reise verfasst, und er ist somit noch einmal ein kleiner Nachtrag)

Lebensträume

Ihr könntet tausend Schätze haben,
wenn ihr das Leben nicht versäumt;
nicht träumen sollt ihr euer Leben,
erleben sollt ihr, was ihr träumt

Otto Roquette
Nächster Halt: Brasilien!

Und dann ist er plötzlich einfach da – dieser eine Moment. Dieser eine Moment als ich um punkt 5:30 Uhr meinen Rucksack auf den Rücken nehme, die Treppenstufen hinuntergehe und die Haustür mit einem Klacken hinter mir ins Schloss fällt. Es ist dieser eine Moment, als einer meiner größten Träume plötzlich Wirklichkeit wird. Die Sonne geht auf und beginnt die Luft zu erwärmen, vereinzelt zwitschern Vögel und von der Hauptstraße höre ich das unregelmäßige Summen der Automotoren. Die Seitenstraßen sind dagegen noch Menschenleer (mit Außnahme von mir). Ich atme die noch angenehme Morgenluft ein und ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus: Vor mir liegt die ganze Welt.

Was in diesem Moment vor nun gut einem Monat wirklich passiert ist, habe ich bis heute noch nicht wirklich verstanden. Es erscheint irgendwie so sureal und doch ist es WIRKLICH so gewesen. Ich war wirklich da. Ich habe den Regenwald und die Dünenlandschaften gesehen, die Berge und das Meer, Großstädte und Einsiedler, ich bin geflogen, mit dem Boot gefahren und mit dem Bus gereist. Ich bin gelaufen. Einfach geradeaus, immer weiter und dann mal schauen, was um die nächste Ecke wohl passiert.

Durch diese abenteurlustige Spontaneität verlief meine Reise dann auch ganz anders, als ich ursprünglich dachte. Ich habe wesentlich weniger von der Ostküste, dafür aber viel mehr vom Nordosten gesehen und viel mehr Zeit in Amazonia verbracht als ich ursprünglich wollte.

Karte 1

Meine Reise führt mich zunächst vom Regenwald nach Manaus, mit einem Schiff über den Amazonas bis nach Belém und von dort aus mit dem Bus nach São Luís. Von hier aus fahre ich über Barreirinhas in den Nationalpark Jericoacoara, bevor ich einige Zeit in den Großstädten Fortaleza, Salvador und Brasília verbringe (Karte 1). Auch das „kleine  Dörfchen“ Ouro Preto, kann ich noch bewundern, bevor  ich mit einem  Zwischenstopp in Rio de Janeiro wieder nach São Paulo fahren darf (Karte  2).

Karte 2

Erinnert ihr euch noch an all die vielen Fragen, die ich mir vor meiner Reise stellte? Die am einfachsten zu beantwortende Frage ist wohl zunächst einmal die, nach Schlafplatz und Lebensmitteln.  So reise ich also von Hostel zu Hostel (Motels kommen in Brasilien aufgrund ihrer ausschließlichen Funktion als Stundenhotels nicht in Frage) und kaum im nächsten Hostel angekommen und eingecheckt, ist meine erste Frage zumeist sogleich nach dem nächstgelegenen Supermarkt.

Die Beeren der Açaipalme wachsen in Büscheln am oberen Ende des Stammes

Dabei ist es interessant, wie sehr die Lebensmittel in den unterschiedlichen Landesteilen variieren. Während es in Manaus gleich vier verschiedene Sorten Guarana (ein Getränk bestehend aus Zucker, Wasser und Bestandteilen der Guaranapflanze) zu erwerben gibt, gibt es im Rest des Landes, nur eine Variante und das, von mir als Süßspeise liebgewonnene Açai wird in Belém als kalte Cremesuppe herzhaft zu Fisch serviert. Dabei ist Kokusnusswasser in Salvador billiger als Mineralwasser (!), während die Kokusnuss an der Copacabana das vierfache einer Mineralwasserflasche in Salvador kostet (um nur ein paar Beispiele zu nennen…)

Des weiteren fragte ich mich auch, was ich wohl auf so einer Reise WIRKLICH brauchen würde. Heute weiß ich: Fast nichts, aber trotzdem viel Platz. Platz für kleine Schätze, Mitbringsel und für Erinnerungen. So sortierte ich Kleidungsstücke und Badezimmerartikel recht schnell immer weiter aus und so füllte sich mein Rucksack dagegen mit den unmöglichsten Dingen. Eine Feder aus dem Regenwald, eine Hängematte, mit der ich auf dem Schiff den Amazonas entlanggereist war, schneeweißer Sand aus Barreirinhas, Muscheln aus Jericoacoara, traditionelle brasilianische Kleidung aus São Luís, Wunschbänder aus Salvador, Mamorsteine aus Ouro Preto und hunderte von Eintrittskarten und Prospekten, Heftchen und Infobroschüren. Aber nicht nur mein Rucksack füllte sich nach und nach, auch der Speicherplatz meiner Camera war am Ende des Urlaubs mehr als dreimal ausgelastet und noch heute erfreue ich mich an den Bildern die viele Erinnerungen in mir wecken.

Wer in Salvador ein Wunschbändchen am Kirchenzaun befestigt, der hat bei drei Knoten drei Wünsche frei.

Auf meiner Riese begegnete ich vielen Menschen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können: Da waren Dona Lucia und ihr Ehemann die ein Hostel besaßen weil sie die Stille im Haus nicht mehr länger ausgehalten hatten, Miro, der vor dem niederländischen Winter flüchtete, Gabriel, der mit einem uralten knallroten VW-Bus umherzog, David, der auch einfach nur mal Urlaub machen wollte, Diego, der weniger als gar nichts besitzt, Alvaro, der wichtige Geschäftstermine erledigen musste, Sandra, die wirklich ALLES über Deutschland wissen wollte, Scarlett, die mir Salvador zeigte und dieses beeindruckende kleine Mädchen mit den großen Träumen und der blühenden Fantasie, die an der Schiffsreling eine Geschichte erfand und mich bat alles aufzuschreiben:

Passaro de Fogo

Era uma vez um passaro. Ele estava muito lindo. A cor dele era branco. Tinha uma menina amava fazer varias relações. Um dia ela encontrou numa floresta muito bonito e ela viu um passarinho muito bonito. Ele se-chama passaro de fogo, mas ele estava branco. Tudos os dias ele voava e ele amava assobia. Essa menina que viu o passaro estava falando uma relação sobre aquele passaro. Ela viu quanto esse passaro era especial. Ela estava pensando sobre esse passaro e apelido o passaro de fogo. E como tinha dado aquele apelido ela resolveu botar no titolo do texte dela. Ela desenho um passaro do meio da historia dela. Ela levou para escola dela a relação dela e ganheu a maior pontuacaonde redação. Por causa dessa historia ela ficou famoso. Ela foi denovo na aquela floresta e viu que ele não era so simples passaro. Era também magico. Ele tinha por baixo da pela dele branca tinha various cores.

Von all diesen und noch vielen weiteren Personen habe ich viele verschiedene Sichtweisen auf Brasilien und den Rest der Welt erfahren dürfen. Es ging viel um Geld und Politik, um gesellschaftliche (Un-)Gerechtigkeit und um Lebensträume. Wir haben zusammen gelacht. Im gemeinsamen Austausch und hitzigen Diskussionen oder tiefsinnigen Gesprächen habe ich kritisiert und bin kritisiert worden, wir haben alles in Frage gestellt und so viele Antworten (nicht) gefunden. Dabei habe ich so viele neue Denkanstöße bekommen und mich in fremde Sichtweisen eindenken dürfen, dass ich noch heute viel über die Worte des ein oder anderen nachdenke. Ich habe dabei mein Zuhause finden können (siehe aktuallisierter Blogbeitrag „Zuhause“) und viel über diese Welt gelernt, über mich und meine Rolle als Mensch – und deshalb bin ich für jede kurze oder auch längere Begegnung mit jedem Einzelnen sehr dankbar!

Der „Baum der Wünsche“ in Rio de Janeiro erfüllt jedem einen Wunsch, der durch die beiden Stämme hindurchläuft. Einzige Bedingung: Es darf sich dabei nicht um Kaufbares handeln.

Aber nicht nur die Menschen beeindruckten mich auf meiner Reise. Auch die landschaftlichen Gegebenheiten, die von Landesteil zu Landesteil variierende Kultur und Traditionen und die vielen Gegensätze, lassen Brasilien für mich nach wie vor als ein unglaublich faszinierendes Land erscheinen.

Die Galerie der Gegensätze

Die beiden Flüsse Rio Negro und Rio Solimões fließen zusammen und bilden so den Amazonas. Die physikalischen (Fließgeschwindigkeit, Temperatur, Dichte) und chemischen (Zusammensetzung, pH-Wert) Eigenschaften der beiden Flüsse unterscheiden sich allerdings so sehr, dass sie sich erst 150 Kilometer flussabwärts ganz vermischt haben.

In den Verstand fest eingraviert
Und mit dem Herz fotografiert
So geht er niemals mehr verloren
Dieser eine, dieser eine Moment
Und die Zeit steht still
Weil ich diesen Moment für immer behalten will
Ich halt ihn fest
Für immer ab jetzt

Johannes Oerding – Für immer ab jetzt

Até logo (bis ganz bald),

eure Anna

Hexenwerk

…Ich leg den Blick auf Deine Worte,

und finde es schön Dir zuzuhören.

Du zeigst mir das ein kleines Glück die Gezeiten übersteht

der Moment für immer unsterblich ist. Ich finde es schön,

ein kleines Stück mit Dir zu gehen…

Helene Fischer – Ein kleines Glück

Lieber Miguel,

bisher habe ich immer gedacht, wir zwei wären mit unserer „Sprachlosigkeit“ irgendwie Schicksalsverwandte, aber heute hast Du mich sprachlos gemacht. Weißt Du noch, wie Du mir gleich zu Beginn des Jahres mühevoll Deine ganz eigene Sprache beigebracht hast? Das hat mich ermutigt die Kommunikationsversuche mit Menschen, die eine andere Sprache sprechen nie aufzugeben.

Das ihr kleinen Genies euch so schnell entwickelt, dass schon nach nur einem Monat Ferien plötzlich ein Fortschritt zu bemerken ist, das hatte ich schon vermutet.

Und so hat mich Geovanna heute mit “ Oi Anna“ begrüßt und dabei zum ersten Mal meinen Namen gesagt, Maria und Elena haben wirklich GEMEINSAM mit den Dominosteinen gespielt und Bernado hat anstatt einfach nur einen Wutgeheul-Schreikrampf zu kriegen laut „É MEU“ gebrüllt, während alles was ich sagte ununterbrochen von Gabriel wiederholt wurde.

Und während ich also all diese neuen Errungenschaften bestaune, da sitzt Du vor mir und spielst fröhlich glucksend mit den Bausteinen. Kaum steht das Türmchen haust Du es wieder kaputt und je weiter die Steine dabei fliegen, desto lustiger. Und dann baust Du es wieder auf und machst es wieder kaputt und baust es wieder auf…

Und dann hälst Du plötzlich inne und schaust mich mit Deinen riesigen dunklen Kulleraugen an. Dein Finger zeigt auf die Küche als Du laut und deutlich „Agua“ („Wasser“) verlangst.

Und damit hast Du mich wirklich sprachlos gemacht.

Er hat mir Dir gesprochen… ER HAT MIT DIR GESPROCHEN, ANNA ER SPRICHT MIT DIR!!! Ging es mir durch den Kopf, solange bis mein Gehirn meinen Ohren schließlich vertraut. „Daya er hat gesagt…“ setzte ich an. „Ja, ich habs gehört“, erwiederte sie, „heute morgen hat er mich schon mit meinem Namen zur Hilfe gerufen. Schön oder?“

Und dann haben wir uns zusammen unendlich gefreut!

Wenn Du schon ein bisschen älter wärst, hätten wir darauf ja einen Caipirinha mit Dir getrunken, aber so sind wir dann doch lieber bei Deinem verlangten Wasser geblieben…

Ich bin stolz auf Dich! Wir sehen uns morgen Nachmittag,

Deine Anna